Der Regenwald

Freitag, 12. Oktober; 20:38

 

Wow, einfach nur wow.

 

Ich sitze hier auf einem der drei Betten in meinem – schätzungsweise – 20m² großen Zimmer, in einem Stelzenhaus mit einem Dach aus den Blättern eines bestimmten Dschungelbaumes. Das Zimmer, bzw. das Häuschen mit einer Kapazität bis zu 5 Personen und eigenem Bad habe ich ganz für mich alleine! – Naja fast. Ich habe einen kleinen Gecko als Mitbewohner, der allerdings zu schüchtern und viel zu flink für ein Wohngemeinschaftsfoto ist… Mit Laura ist das einfacher! 😀 ❤

 


Die Geräusche in diesem Moment sind einfach nur unwirklich in meinen Ohren. Tausende Grillen und Zikaden zirpen (ja, so als hätte jemand ein Tonband mit Naturklängen als Entspannungsmusik hingestellt), zwischendurch hört man eine Art Krächzen oder Schnattern von irgendwelchen, für mich undefinierbaren Vögeln – zumindest vermute ich, dass es Vögel sind…

Das Zimmer ist quasi offen, aber glücklicherweise durch Mosquitonetze von der „wahren Natur“ getrennt. Dennoch gibt das bestimmt mehr als drei Meter hohe Spitzdach ein außerordentliches Raumgefühl…

Die Temperatur ist ganz angenehm! Ich habe keine Ahnung, wieviel Grad es sind, denn hier gibt es ja eine Internet-Detox-Diät… Ich schätze, es sind noch um die 26 °C. An die Luftfeuchtigkeit habe ich mich schon ganz gut gewöhnt; vor allem seit ich auf der Dschungelwanderung heute Nachmittag meine Regenjacke anhatte, an deren Innenseite ich später beim Ausziehen gefühlte 3 Liter Wasser festgestellt habe.

Momentan höre ich zusätzlich noch den Generator, welcher von 18.00 bis 22.00 Uhr für Strom und Licht sorgt. Danach wird er ausgeschaltet, sodass es dunkel ist, bis am morgen die Sonne wieder aufgeht.

Ein bisschen gruselig ist es auch. An den Mosquitonetzwänden der Haupthütte, in welcher die Mahlzeiten serviert werden, und welche über die meiste Beleuchtung verfügt, klebten Tausende – ach was, Trilliarden !!! – Insekten der unterschiedlichsten Arten; und vor allem Größen! Ich habe noch nie so riesige Zikaden und fette Käfer gesehen (außer mal im Aquarium oder Zoo, aber das ist wirklich kein Vergleich zu hier in der freien Wildbahn). Dazu etliche Falter, Motten, Heuschrecken, Wespen und – naja, auch Mosquitos.

 

Bisher bin ich, wie ich denke, ganz gut mit den Mücken weggekommen. Helle und lange Kleidung, sowie Mückenspray sind eine gute Kombination!

 


An diesem heutigen Abend bin ich sehr zufrieden mit meiner Ankunft sowie der Unterbringung und den ersten Erlebnissen hier im Dschungel des Amazonas. (Ich bin echt im Amazonas-Regenwald – das kann ich immer noch nicht glauben!)


 

Dabei fing der Tag erstmal holprig an…

 

Zunächst bin ich im vorigen Hostel gefühlt nur von kiffenden Franzosen umgeben, die irgendwann morgens vom Feiern zurückkommen und dann das Klo, dessen Spülung nur mäßig funktioniert, vollgekotzt haben.

Erstaunlicherweise stehe ich mittlerweile über solchen Dingen – ich bin wohl echt ein wenig abgehärtet!

Sowieso bin ich über eine Stunde vor meinem Wecker wach, sodass ich noch auf der Terrasse in Ruhe frühstücken und ein wenig lesen kann. Dann geht es mit dem Mototaxi los zur Agentur.

Ich bin zu früh dran, schlage noch 20 Minuten mit Spazieren an der Amazonas-Promenade herum, um dann noch einmal 15 Minuten zu warten.

Endlich geht es los!

Nein, doch nicht. – Wir werden zunächst in ein zweites Büro verfrachtet, wo wir von einem mäßig motivierten Guide noch einmal erzählt bekommen, was wir in den kommenden ein, zwei oder drei Tagen zu sehen bekommen würden. Außerdem lispelt er – ich weiß, er kann da nichts für, aber irgendwie regt es mich in diesem Moment auf…

Dann geht es los! – Erst einmal aber nur mit dem Bus zum Hafen Bellavistas, damit wir dort trockenen Fußes das Boot besteigen konnten. Das sei wohl zu dieser Jahreszeit schwierig, da der Amazonas momentan relativ wenig Wasser führe, und dadurch von vielen Stegen nicht erreicht werde…

So, endlich dann im Boot! Eine knappe Stunde fahren wir flussaufwärts, ehe wir noch zwanzig Minuten zwischen Bananenbäumen und über Holzplanken durch Sumpfgebiet stapfen.

 

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Dann sind wir endlich da! Es sieht wirklich aus, wie auf den Fotos!? Wow! Und der Pool ist auch da – wie angegeben! Ringsherum um diese mit Rasen bewachsene, grüne Oase nichts als dichter Regenwald, Papageienschreie und Grillenzirpen.

 

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Leider stellt sich heraus, dass mein „Einzelzimmer“ noch nicht beziehbar ist, weil die vorigen Gäste noch nicht einmal ausgecheckt sind. Auch mein großer Rucksack, der von ein paar jungen Herrschaften zusammen mit Nahrung und weiterem Gepäck der anderen Gäste nachgebracht werden soll, lässt auf sich warten (2,5 Stunden -.-).

Nach dem Mittagessen kann ich dann endlich mein Zimmer beziehen. Und als ich dann den vielen Platz im Zimmer mit meinen Sachen bestreue, den Klängen des Dschungels lausche, während ich mich als einzige Person im Pool und in der Hängematte aale, und mich im Anschluss für die nachmittägliche Regenwaldwanderung umziehe, ist mein Ärger schon wie weggeblasen.

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Mein Zimmer – ganz für mich allein! Eine tolle Abwechslung nach dem vollen Hostel zuvor! 🙂

 

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Noch im Pool erfrischen, ehe es zur Regenwaldwanderung geht!

 

Auf der Wanderung zeigt uns unser Guide – welcher mir glücklicherweise im Laufe der Stunden immer sympathischer geworden ist – verschiedene Bäume, welche für die einheimischen Völker als Apotheke dienen, weil ihnen die unterschiedlichsten Heilungseigenschaften nachgesagt werden.

Wir rasten im Garten eines völlig normal-westlich gekleideten Schamanen (brujos = Hexer), mit welchem wir frisches Zuckerrohr (cana) pressen und den Saft verkosten. Außerdem stellt er uns seine Essenzen aus Rinden, Wurzeln und Anakondagift, sowie heilsame Liköre aus Zuckerrohr und Kräutern vor. Letztlich kann alles gekauft werden; natürlich. Mich persönlich spricht keines der Produkte in ausreichendem Maße an. Dennoch war es unterhaltsam und interessant!

 

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Da wir schon beim Loslaufen in zeitliche Verzögerung gekommen sind, kommen wir in die Dämmerung und stehen schon 15 Minuten später im absolut finsteren Dschungel. Ja, der Sonnenuntergang hat es hier wirklich eilig! Mit Handys und Taschenlampen tasten wir uns die schlammigen und rutschigen Wege entlang zurück; stets Ausschau haltend nach Schlangen, da diese bereits in der Dämmerung aktiv werden. Vor dem einheimischen Jaguar brauchen wir uns beruhigenderweise nicht zu fürchten, denn dieser geht erst zu deutlich fortgeschrittenerer Stunde auf die Pirsch.

 

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Schließlich kommen zehn Touristen (übrigens alles Peruaner – ich bin die einzige „Weiße“) und ein Guide wohlbehalten im Hüttchencamp an.

 

Nach dem Duschen gibt es auch schon Abendessen: Verschiedene Salate, Kartoffeln, Chifle (gebackene/frittierte, orange Bananen) und frische Melone gibt es. Vom Essen her bin ich bisher positiv überrascht. Es gibt, was hier im Überfluss wächst; also hauptsächlich alle Formen von Kartoffeln und Bananen, aber auch dünne Streifen von Palmenherzen, rote Beete und Karotten, sowie Fisch/Fleisch nach Bedarf – auf Bananenblättern serviert.

 

 


Morgen gehen wir unter anderem auf die Suche nach den rosa Flussdelfinen, den Bufeos. Ich bin schon gespannt, was der morgige Tag noch so bereit hält für uns…!

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