Vom Paradies zum … naja.

Talara; Freitag, 19. Oktober; 18:59

 

Ein bisschen ist der letzte Post schon wieder her…

 

Ich muss gestehen, ich hatte nicht so richtig die Muße, am Strand meinen Laptop zu zücken und zu tippen. Abgesehen davon mag ein Laptop ja in der Regel auch den Sand nicht so gerne; von daher war es wohl die bessere Entscheidung.

 


Die vergangenen drei Tage in Máncora habe ich in vollen Zügen genossen! Das Hostel Máncora Apartments hat sich als ein kleines, direkt am Strand gelegenes Paradies entpuppt, in dem ich die letzte Nacht sogar gänzlich alleine verbracht habe!

Und das für umgerechnet 9 € pro Nacht.

 

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Da es hier an der Nordküste so viele schöne Strände gibt, habe ich beschlossen, in meinen letzten Perutagen noch etwas anderes zu sehen. So fuhr ich heute also gegen Mittag los nach Talara – mit dem Bus für 7,50 Soles (ca. 1,60 €). Von dort aus nahm ich ein Collectivo für 4 Soles nach Lobitos – ein kleines Örtchen 16km nördlich von Talara. Insgesamt also eine sehr günstige Reise!

 

Allerdings habe ich bei meiner Ankunft dann eine kleine Enttäuschung einstecken müssen:

Das Hostel Casona de Lobitos wurde mir von einer Bekanntschaft aus Lima empfohlen, die in den höchsten Tönen davon geschwärmt hat. Umso ernüchternder, dass sich das Bad im 6-er Zimmer als kleiner Horror für mich entpuppt! 😦

Die Klobrille ist zu klein für die Schüssel (ich weiß nicht, wie man sich da genau hinhocken soll…). Und es gibt keine Klospülung. Man muss mit einem Wassereimer aus einer Regentonne Wasser auf die Hinterlassenschaften kippen. Und das funktioniert so gut, wie es sich schon anhört: Ziemlich mäßig! :‘(

Auch dem Geruchssinn bleibt das natürlich nicht verborgen.

 

Aus dem Handwaschbecken kommt zwar Wasser, mir wurde allerdings geraten, nur solches aus dem danebenstehenden Kanister zu verwenden. Warum auch immer. Ich will es lieber gar nicht wissen!!

 

Nachdem ich nun schon viele Nächte in der Wüste, im Dschungel oder auch in kleinen und größeren Städten in den Bergen verbracht habe, ist dies das erste Mal, dass der Standard SOOO niedrig liegt. Die Klosache ist wirklich eklig für mich. Den anderen Gästen (so viele sind es auch gar nicht) scheint es wohl nichts auszumachen – die niederländische Voluntärin an der Rezeption zeigte aber immerhin reichlich Verständnis für meinen Standpunkt. Obwohl ich zwei Nächte reserviert habe, hoffe ich, die zweite morgen früh erfolgreich stornieren zu können.

Ich ziehe dann ein Hotel für meine letzten zwei Nächte am Meer. Das kostet zwar deutlich mehr, aber ich möchte wirklich die letzte Zeit hier oben am Strand noch in vollen Zügen genießen können. Und wenn eine Klospülung dazu gehört, nehme ich eben die Mehrkosten auf mich!

 

Also drückt mir die Daumen, dass es klappt! – Ich werde es euch wissen lassen! 😊

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Der Regenwald

Freitag, 12. Oktober; 20:38

 

Wow, einfach nur wow.

 

Ich sitze hier auf einem der drei Betten in meinem – schätzungsweise – 20m² großen Zimmer, in einem Stelzenhaus mit einem Dach aus den Blättern eines bestimmten Dschungelbaumes. Das Zimmer, bzw. das Häuschen mit einer Kapazität bis zu 5 Personen und eigenem Bad habe ich ganz für mich alleine! – Naja fast. Ich habe einen kleinen Gecko als Mitbewohner, der allerdings zu schüchtern und viel zu flink für ein Wohngemeinschaftsfoto ist… Mit Laura ist das einfacher! 😀 ❤

 


Die Geräusche in diesem Moment sind einfach nur unwirklich in meinen Ohren. Tausende Grillen und Zikaden zirpen (ja, so als hätte jemand ein Tonband mit Naturklängen als Entspannungsmusik hingestellt), zwischendurch hört man eine Art Krächzen oder Schnattern von irgendwelchen, für mich undefinierbaren Vögeln – zumindest vermute ich, dass es Vögel sind…

Das Zimmer ist quasi offen, aber glücklicherweise durch Mosquitonetze von der „wahren Natur“ getrennt. Dennoch gibt das bestimmt mehr als drei Meter hohe Spitzdach ein außerordentliches Raumgefühl…

Die Temperatur ist ganz angenehm! Ich habe keine Ahnung, wieviel Grad es sind, denn hier gibt es ja eine Internet-Detox-Diät… Ich schätze, es sind noch um die 26 °C. An die Luftfeuchtigkeit habe ich mich schon ganz gut gewöhnt; vor allem seit ich auf der Dschungelwanderung heute Nachmittag meine Regenjacke anhatte, an deren Innenseite ich später beim Ausziehen gefühlte 3 Liter Wasser festgestellt habe.

Momentan höre ich zusätzlich noch den Generator, welcher von 18.00 bis 22.00 Uhr für Strom und Licht sorgt. Danach wird er ausgeschaltet, sodass es dunkel ist, bis am morgen die Sonne wieder aufgeht.

Ein bisschen gruselig ist es auch. An den Mosquitonetzwänden der Haupthütte, in welcher die Mahlzeiten serviert werden, und welche über die meiste Beleuchtung verfügt, klebten Tausende – ach was, Trilliarden !!! – Insekten der unterschiedlichsten Arten; und vor allem Größen! Ich habe noch nie so riesige Zikaden und fette Käfer gesehen (außer mal im Aquarium oder Zoo, aber das ist wirklich kein Vergleich zu hier in der freien Wildbahn). Dazu etliche Falter, Motten, Heuschrecken, Wespen und – naja, auch Mosquitos.

 

Bisher bin ich, wie ich denke, ganz gut mit den Mücken weggekommen. Helle und lange Kleidung, sowie Mückenspray sind eine gute Kombination!

 


An diesem heutigen Abend bin ich sehr zufrieden mit meiner Ankunft sowie der Unterbringung und den ersten Erlebnissen hier im Dschungel des Amazonas. (Ich bin echt im Amazonas-Regenwald – das kann ich immer noch nicht glauben!)


 

Dabei fing der Tag erstmal holprig an…

 

Zunächst bin ich im vorigen Hostel gefühlt nur von kiffenden Franzosen umgeben, die irgendwann morgens vom Feiern zurückkommen und dann das Klo, dessen Spülung nur mäßig funktioniert, vollgekotzt haben.

Erstaunlicherweise stehe ich mittlerweile über solchen Dingen – ich bin wohl echt ein wenig abgehärtet!

Sowieso bin ich über eine Stunde vor meinem Wecker wach, sodass ich noch auf der Terrasse in Ruhe frühstücken und ein wenig lesen kann. Dann geht es mit dem Mototaxi los zur Agentur.

Ich bin zu früh dran, schlage noch 20 Minuten mit Spazieren an der Amazonas-Promenade herum, um dann noch einmal 15 Minuten zu warten.

Endlich geht es los!

Nein, doch nicht. – Wir werden zunächst in ein zweites Büro verfrachtet, wo wir von einem mäßig motivierten Guide noch einmal erzählt bekommen, was wir in den kommenden ein, zwei oder drei Tagen zu sehen bekommen würden. Außerdem lispelt er – ich weiß, er kann da nichts für, aber irgendwie regt es mich in diesem Moment auf…

Dann geht es los! – Erst einmal aber nur mit dem Bus zum Hafen Bellavistas, damit wir dort trockenen Fußes das Boot besteigen konnten. Das sei wohl zu dieser Jahreszeit schwierig, da der Amazonas momentan relativ wenig Wasser führe, und dadurch von vielen Stegen nicht erreicht werde…

So, endlich dann im Boot! Eine knappe Stunde fahren wir flussaufwärts, ehe wir noch zwanzig Minuten zwischen Bananenbäumen und über Holzplanken durch Sumpfgebiet stapfen.

 

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Dann sind wir endlich da! Es sieht wirklich aus, wie auf den Fotos!? Wow! Und der Pool ist auch da – wie angegeben! Ringsherum um diese mit Rasen bewachsene, grüne Oase nichts als dichter Regenwald, Papageienschreie und Grillenzirpen.

 

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Leider stellt sich heraus, dass mein „Einzelzimmer“ noch nicht beziehbar ist, weil die vorigen Gäste noch nicht einmal ausgecheckt sind. Auch mein großer Rucksack, der von ein paar jungen Herrschaften zusammen mit Nahrung und weiterem Gepäck der anderen Gäste nachgebracht werden soll, lässt auf sich warten (2,5 Stunden -.-).

Nach dem Mittagessen kann ich dann endlich mein Zimmer beziehen. Und als ich dann den vielen Platz im Zimmer mit meinen Sachen bestreue, den Klängen des Dschungels lausche, während ich mich als einzige Person im Pool und in der Hängematte aale, und mich im Anschluss für die nachmittägliche Regenwaldwanderung umziehe, ist mein Ärger schon wie weggeblasen.

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Mein Zimmer – ganz für mich allein! Eine tolle Abwechslung nach dem vollen Hostel zuvor! 🙂

 

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Noch im Pool erfrischen, ehe es zur Regenwaldwanderung geht!

 

Auf der Wanderung zeigt uns unser Guide – welcher mir glücklicherweise im Laufe der Stunden immer sympathischer geworden ist – verschiedene Bäume, welche für die einheimischen Völker als Apotheke dienen, weil ihnen die unterschiedlichsten Heilungseigenschaften nachgesagt werden.

Wir rasten im Garten eines völlig normal-westlich gekleideten Schamanen (brujos = Hexer), mit welchem wir frisches Zuckerrohr (cana) pressen und den Saft verkosten. Außerdem stellt er uns seine Essenzen aus Rinden, Wurzeln und Anakondagift, sowie heilsame Liköre aus Zuckerrohr und Kräutern vor. Letztlich kann alles gekauft werden; natürlich. Mich persönlich spricht keines der Produkte in ausreichendem Maße an. Dennoch war es unterhaltsam und interessant!

 

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Da wir schon beim Loslaufen in zeitliche Verzögerung gekommen sind, kommen wir in die Dämmerung und stehen schon 15 Minuten später im absolut finsteren Dschungel. Ja, der Sonnenuntergang hat es hier wirklich eilig! Mit Handys und Taschenlampen tasten wir uns die schlammigen und rutschigen Wege entlang zurück; stets Ausschau haltend nach Schlangen, da diese bereits in der Dämmerung aktiv werden. Vor dem einheimischen Jaguar brauchen wir uns beruhigenderweise nicht zu fürchten, denn dieser geht erst zu deutlich fortgeschrittenerer Stunde auf die Pirsch.

 

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Schließlich kommen zehn Touristen (übrigens alles Peruaner – ich bin die einzige „Weiße“) und ein Guide wohlbehalten im Hüttchencamp an.

 

Nach dem Duschen gibt es auch schon Abendessen: Verschiedene Salate, Kartoffeln, Chifle (gebackene/frittierte, orange Bananen) und frische Melone gibt es. Vom Essen her bin ich bisher positiv überrascht. Es gibt, was hier im Überfluss wächst; also hauptsächlich alle Formen von Kartoffeln und Bananen, aber auch dünne Streifen von Palmenherzen, rote Beete und Karotten, sowie Fisch/Fleisch nach Bedarf – auf Bananenblättern serviert.

 

 


Morgen gehen wir unter anderem auf die Suche nach den rosa Flussdelfinen, den Bufeos. Ich bin schon gespannt, was der morgige Tag noch so bereit hält für uns…!

Oase auf Umwegen

Freitag, 21. September; 10:15

 

Eigentlich wollten wir am gestrigen Tag vormittags nach Cusco zurückfahren, um abends dort lecker in unserem neu ernannten Lieblings-Veganer essen zu gehen und dann von dort in Etappen über die Berge zurück nach Lima zu tingeln.

 

Aber wie es eben manchmal ist:

Es kommt 1. Anders, und 2. Als man denkt.

Schon im zweiten Ort, den wir durchqueren mussten, das kleine Dörfchen Santa Maria, kam unsere Fahrt nach etwa 30 Kilometern zum Stillstand. Eine Straßenblockade von protestierenden Lehrern (angeblich) ließ uns nicht weiter fahren. Trotz mehrerer Verhandlungsversuche unter Angabe unserer Flugtickets, der Tatsache, dass wir das Mietauto pünktlich nach Lima zurückbringen müssen und die Erinnerung daran, dass der Tourismus für Peru eine der Lebensgrundlagen darstellt, war kein Durchlass auszuhandeln.

Enttäuscht waren wir dann auch von der Polizei, die keine Anstalten machte, sich in irgendeiner Form für uns einzusetzen oder uns genaue Auskunft zu geben.

Im Internetcafé suchten wir die Telefonnummer der deutschen Botschaft in Lima raus und durften freundlicherweise mit dem Handy des Cafébesitzers anrufen. Die nette Dame am anderen Ende der Leitung gab uns eine Telefonnummer und e-Mail-Adresse vom Konsulat in Cusco, da dies der zugehörige Bereich sei, und gab an, uns eine Mail schreiben zu wollen, wenn sie heraus gefunden habe, um welche Art von Aufstand es sich handle und wie damit am besten zu Verfahren sei.

Die E-Mail kam bis heute nicht.

 


 

Um die Wartezeit ein wenig sinnvoller zu nutzen, machten wir uns auf den Weg, eine Tankstelle zu suchen. Eine Dreiviertel Stunde später mussten wir feststellen, dass die sogenannten „Tankstellen“ – eigentlich nur kleine Lädchen am Straßenrand – kein 95er Gasolina führen, was wir für unser Auto brauchen.

Dementsprechend knapp wurde es dann, als wir uns nach sagenhaften 7 STUNDEN WARTEN an DREI STRAßENSPERREN (mit laufender Klimaanlage, denn sonst wäre es kaum aushaltbar gewesen) über den 4.300 Meter hohen Pass zurück nach Ollantaytambo schleppten, um einen Schlafplatz zu finden.

Und wie es das Schicksal so will, und ihr es euch beim Titel dieses Artikels bestimmt schon denken könnt:

 


Wir sind in ein kleines Paradies gestolpert!


 

Das ist wohl Perus Entschädigung für diese Unannehmlichkeiten und das Ärgernis mit dem Warten. Zumindest betrachte ich es so… 😀

 

…eingeschlafen sind wir bei diesem zauberhaften Rauschen des Flusses direkt unter unserem Zimmer. Aufgewacht sind wir mit den ersten Sonnenstrahlen und einem Blick auf die noch wolkenumwobenen Berggipfel, die mehrere hundert Meter über das kleine Tal hinaus ragen. Der Duft von Engelstrompeten lockt schwirrende, smaragdgrüne Kolibris an, Bienen summen in den Fuchsienbäumen.

 

Im saftigen Grün des Gartens sitzen wir nun noch und genießen einen Coca-Tee und frischen Kaffee, während die Sonne langsam höher steigt und die Luft frühsommerlich erwärmt. Die Eukalyptusbäume rauschen sanft mit dem Wind im Takt mit dem plätschernden Wasser des Flusses…

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Heute in der Kategorie „Sonderbares“: Verkehr.

1.) Batmans Privat-Taxi.

Witzig, aber noch nicht wirklich. Die Ironie war dann, dass das Auto vor dem Mini-Taxi ohne zu Blinken (ja, das ist absolut landestypisch) nach links abbog, und Batman einfach zur Seite schob. Passiert ist wohl niemandem etwas; es sah tatsächlich relativ witzig aus.

Da fragt man sich – wo ist Batmans Batmobil geblieben?!

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2.) Selbstgebautes Michelin-Männchen.

Hier gibt es offensichtlich einen Reifenservice!

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3.) Der Zwiebel-LKW.

Dieser Zeitgenosse ist schon fast ein vertrauter Anblick geworden. Auf dem Weg von Nazca nach Arequipa haben wir einander mehrere Male gegenseitig überholt. Immer wenn wir eine Pause eingelegt haben, hat er uns wieder bekommen.

Repräsentativ ist er für extrem überladene LKWs und teils nur vage gesicherte Ladung – in Deutschland gar nicht denkbar!

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4.) Überladen.

Das Resultat von überladenem LKW und teils steilen Kurven oder Serpentinen in den Bergen sieht dann leider so aus:

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5.) Gefahr – entzündlich!

Nicht so richtig vertrauenserweckend… ^^

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6.) Erdrutsche

Die steilen Kurven der Serpentinen der Panamericana Sur bieten zwar einen spektakulären Anblick, bergen jedoch die Gefahr von Geröll- und Erdrutschen hinab der steilen Hänge. Auf der Strecke nach Arequipa gerieten wir deshalb in einen Stau.

 

 

Glücklicherweise war die Strecke recht schnell wieder geräumt. Und einen positiven Aspekt hatte die Verzögerung: Wir haben in der Zeit den Panoramablick auf den Pazifik genossen und sogar Delfine gesichtet, die wir sonst mit Sicherheit nicht gesehen hätten!! 😀